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«Ti-Äitsch» ist das kleinste Problem
Erlangen. Beim Englisch-Lesewettbewerb für Gymnasien sitzt ein Computer in der Jury.

Bis das verflixte «Ti-Äitsch» überhaupt durch die Zähne zischt, verknoten sich Englisch-Neulinge einige Male die Zunge. Über solche Anfänger-Wehwehchen können die Siebtklässler Leonie Mayr, Anna Felicetti und Cornelius Reitmayr nur lachen: Sie sind vergangene Woche beim mittelfränkischen EnglischLesewettbewerb für Gymnasien im Erlanger Kollegienhaus angetreten.
Bei dem Wettbewerb kommen sogar abgebrühte Englisch-Profis ins Schwitzen: Von den zwei Texten, die die Teilnehmer der Jury vorlesen müssen, ist ihnen einer vollkommen unbekannt. Manche Wörter darin sehen die 27 Leseratten zum ersten Mal im Leben.
Ob die Gymnasiasten alles richtig ausgesprochen und betont haben, hat diesmal nicht nur eine Jury beurteilt: Beim Wettbewerb der Deutsch-Britischen Gesellschaft Nürnberg und des Lehrstuhls für Anglistik und Linguistik der Uni Erlangen-Nürnberg «sitzt» auch ein Computer mit unter den Punktrichtern. Mit einem speziellen Programm errechnet er, wie nahe die Aussprache der Wettbewerbsteilnehmer an der eines Native Speakers, also eines Muttersprachlers, liegt.
Dieses Programm, das am Lehrstuhl für Informatik entwickelt wird, könnte theoretisch irgendwann mal die Juroren die Wettbewerbs überflüssig machen. Eigentlich wollen die Wissenschaftler mit der Technik aber Sprachlernprogramme entwickeln, verrät das Jury-Mitglied Oliver Herbst.
Noch sind die Aufnahmen vom Lesewettbewerb nicht ausgewertet, aber Oliver Herbst ist schon sehr gespannt, ob der Computer dieselben Sieger küren wird wie die «menschliche» Jury.
Im Senatssaal sind jetzt alle ganz aufgeregt. Endlich werden die sechs Finalisten verkündet: Neben Cornelius, Anna und Leonie haben es noch Agnes Pelzel, Jana Waigl und Katharina Stein in die Endrunde geschafft. Jetzt müssen sie noch einmal gegeneinander antreten. Cornelius ist als Erster dran. Der Textausschnitt, den das Wettbewerbskomitee ausgesucht hat, stammt aus dem englischen Kinderbuchklassiker «Charly and The Chocolate Factory» von Roald Dahl. «In the evening, after he had his supper . . .» beginnt Cornelius und fliegt fast stolperfrei und mit breitem amerikanischem Akzent durch den Text, als habe er das Buch schon tausendmal gelesen.
Die Organisatoren sind nicht nur von seiner Leistung begeistert: «Wir haben heute ein ganz hervorragendes Niveau gehört», lobt Christoph Scheck von der Deutsch-Britischen Gesellschaft die Teilnehmer. Dann kürt er endlich die Sieger: Auf den dritten Platz hat sich Leonie Mayr vom Platen-Gymnasium Ansbach gelesen, auf dem zweiten landet Anna Felicetti vom Willstätter Gymnasium in Nürnberg. Cornelius Reitmayr von der Senefelder Schule in Treuchtlingen – einer von nur drei Jungs im Wettbewerb – sahnt den ersten Platz ab.
Bevor der Organisator ihm die Urkunde überreicht, vergewissert er sich noch einmal, ob Cornelius auch wirklich kein Muttersprachler ist. Cornelius schüttelt den Kopf. Nur einen Onkel hat er in den USA, den er schon ein paar Mal besucht hat: «Ich bin einfach ein Amerika-Fan!», meint der glückliche Sieger, der gerne Filme auf Englisch schaut und Bücher in der Originalfassung liest.
ANNA SCHLEINZER, NÜRNBERGER NACHRICHTEN, SCHÜLER EXTRA, 09.03.2009
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